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Allgemeines zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) im engeren Sinn versteht man die zwei Erkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Dabei ist die Colitis ulcerosa dadurch gekennzeichnet, dass kleinere oder größere Geschwüre im Bereich des Dickdarms auftreten und zwar beginnend vom Darmausgang mit unterschiedlich weiter Ausprägung Richtung Dickdarmanfang. Im Gegensatz dazu kann Morbus Crohn in allen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes auftreten, wobei ein sehr häufiger Ort von Entzündungsgeschehen der Übergang vom Dünndarm in den Dickdarm ist, das sogenannte terminale Ileum. Beiden Erkrankungen gemeinsam ist, dass sie chronische Erkrankungen sind. Charakteristisch ist der schubartige Verlauf, d. h. nach einer aktiven Krankheitsphase kann es Monate oder Jahre dauern, in denen keine Krankheitssymptome auftreten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Krankheit geheilt ist.

Die Erkrankung betrifft nach statistischen Untersuchungen etwa 100-150 Menschen je 100.000 Einwohner und Erkrankung. Dies bedeutet, dass allein in der Stadt Lüneburg 200-300 Menschen an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden. Dabei handelt es sich bei Neuerkrankten meist um junge Erwachsene ab dem 20. Lebensjahr, obwohl auch Kinder und Jugendliche erkranken können. Auch wenn in den vergangenen Jahre eine Reihe kleiner „Puzzlestücke“ im Verständnis der Entstehung der beiden chronischen Darmerkrankungen zusammengefügt werden konnten, so weiß man bis heute nicht sicher, was letztendlich die Ursachen für die Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind. Man geht jedoch mittlerweile davon aus, dass es bei Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu einer übermäßigen Immunantwort im Bereich des Darms kommt, was dazu führt, dass sich die Darmwand entzündet. Bei der Colitis ulcerosa ist das v. a. die Oberfläche der Darmwand, bei Morbus Crohn können auch tiefere Schichten betroffen sein, was die Ausbildung von Fisteln fördert. Bei Fisteln handelt es sich um eine entzündlich bedingte Tunnelbildung im Gewebe, die sich u. a. in umgebende Organe wie die Blase fortsetzen kann.

Ein wesentliches therapeutisches Ziel bei der Behandlung beider Erkrankungen ist es, die Entzündungsreaktion im Darm zu bremsen, was man durch Gabe anti-entzündlicher Medikamente wie Kortison, Mesalazin, Azathioprin und anti-TNF-Medikamente versucht.
Eine weitere Besonderheit der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist, dass sie auch Bereiche außerhalb des Darms betreffen können. So kann es zu einer Mitbeteiligung anderer Organe kommen, Hautveränderungen können auftreten, Gelenke können mitbetroffen sein und Augen können sich entzünden. Es ist daher sehr wichtig, dass regelmäßig Untersuchungen auch der verschiedenen Organsysteme durchgeführt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ernährung. Zwar gibt es bis heute keinen gesicherten Anhalt dafür, dass eine der beiden Erkrankungen durch bestimmte Nahrungsmittel ausgelöst wird, jedoch stellen fast alle Patienten im Laufe der Erkrankung fest, dass sie bestimmte Nahrungsprodukte wie z. B. Zitrusfrüchte aber auch verschiedene Hülsenfrüchte oder Kohl nicht gut vertragen, was zusätzlich mit einer häufigen Appetitlosigkeit in Phasen der Entzündung zu einer sehr einseitigen und häufig auch Mangelernährung führt, was hinderlich für eine Heilung sein kann. Dazu kommt noch, dass verschiedene Faktoren wie Vitamin B12 bei Entzündung in bestimmten Darmabschnitten nicht ausreichend resorbiert werden können, und es kommt zu weiteren Mangelerscheinungen wie im Falle des Vitamin B12 zu Blutbildungsstörungen. Auch deshalb ist es wichtig, regelmäßige Untersuchungen durchführen zu lassen, die im Ruhestadium mindestens alle 6 Monate erfolgen sollten.

Und noch ein wichtiger Punkt: die Psyche. Zwar ist eine Beteiligung der Psyche an der Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht bewiesen, jedoch ergibt sich aus den Einschränkungen im Privat-, Berufs- und Familienleben in Zeiten von Entzündung, aber auch in den ruhigeren Phasen eine besondere psychische Belastung, was sich wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Daher sollte im Rahmen eines Ambulanztermins auch die Gelegenheit sein, akute aber auch schon länger bestehende Belastungssituationen zu besprechen.

Neben der regelmäßigen Beurteilung der Aktivität der Grunderkrankung mit einer einhergehenden optimalen medikamentösen Einstellung, dem Erkennen von Begleiterkrankungen und Mangelernährungen und der Hilfestellung bei psychischen Belastungssituationen, kommen immer auch aktuelle Fragen auf, z. B. wie sieht es mit der Fertilität aus, spricht etwas dagegen, schwanger zu werden und wenn nein, kann ich die Medikamente so weiternehmen, wo finde ich in meinem Heimatort Ansprechpartner, wie kann ich bestimmte von mir nicht vertragene Nahrungsmittel sinnvoll ergänzen usw., die im Rahmen von ambulanten Vorstellungen in einer Spezialsprechstunde für chronisch entzündliche Darmerkrankungen geklärt werden können. Dabei soll die Spezialsprechstunde die regelmäßige Betreuung durch den Hausarzt optimal ergänzen und nicht ersetzen.

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